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Titel: Unsicherheit und/oder Potential im Zwischenraum des (Nicht-) Verstehens
Beschreibung:

In diesem forschungspraktischen Workshop wird versucht, (Nicht-) Verstehen, anhand von zwei Vignetten als ein Miterfahren von Erfahrungen (Schratz, Schwarz & Westfall-Greiter 2012; Beekman 1987). darzustellen, von Teilnehmer*innen szenisch nachzustellen (Boal 1989) und im Anschluss daran gemeinsam zu deuten.

Die Erfahrungen des Verstehens und Nicht-Verstehens zeigen sich in unterschiedlichen Facetten und rufen Unterschiedliches hervor. „Alles was uns erscheint, ist nicht einfach als etwas zu beschrieben, das seinen Sinn empfängt oder besitzt, sondern als etwas, das Sinn hervorruft, ohne selbst schon sinnhaft zu sein, als etwas, wovon wir getroffen, affiziert, gereizt, überrascht und auf gewisse Weise verletzt werden.“ (Waldenfels 2006, S. 72-73). In Augenblicken des Nicht- Verstehens werden vertraute Ordnungen irritiert. „Das alte, zuverlässige Wissen und Können versagt, und eine neue Möglichkeit ist noch nicht vorhanden“ (Waldenfels 2004, S. 8). In diesen Erfahrungen der Unzulänglichkeit und Unsicherheit, des Nicht-Verstehens, kann sich jedoch auch ein neues Verständnis zeigen.

So findet sich in der Erfahrung, der Schwelle des Verstehens und Nicht- Verstehens, ein potentieller kreativer Bereich, der neue Perspektiven hervorbringen kann, und uns gleichzeitig an unser leibliches Sein erinnert: „Wenn sie die Leiblichkeit der Existenz hervorheben und damit auch die vorsprachlichen Verwicklungen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns mit einer anmutenden Welt, dann zielen sie auf die Grenzen intentionaler Akte und bringen einen Nicht-Sinn ins Spiel, der sich gegenüber dem Anspruch des „universalen und radikalen Verstehens“ (vgl. Musloff/Hellekmaps 2003, S.125) als sperrig erweist“ (Meyer-Drawe 2003, S.512). Wird Verstehen und Nicht-Verstehen als leibliche Erfahrung verstanden, ist besonders der Zwischenbereich dieser Verwicklungen bedeutsam. Gleichzeitig kann ein (Nicht-) Verstehen als ein nicht Verstanden werden, eine unsichere und auch schmerzhafte Erfahrung sein.

Es stellen sich die Fragen: Wie fühlt sich (Nicht-) Verstehen, oder der Zwischenraum gewohnter Ordnungen an, und welches kreative und schöpferische Potential, sowie auch Unsicherheit und Überforderung finden sich in Momenten des (Nicht-) Verstehens?

Wir folgen den Spuren einer Teilnehmerin eines Selbsterfahrungsprozesses, die polarisierende Anteile miteinander in Kontakt bringt und leiblich darstellt. Das darauffolgende Spielen dieser beiden Seiten führt sie in einen Prozess der Verworrenheit, als Wechselspiel von Verstehen und Nicht- Verstehen. In einer zweiten Vignette wird ein Ausschnitt einer Klasse Jugendlicher mit Fluchterfahrung dargestellt, in der ein Jugendlicher die Aufgabe bekommt eine kaputte Stadt zu malen. Er versteht die Aufgabe an sich, jedoch kann er nicht verstehen, warum er eine kaputte Stadt malen soll.

Im Workshop werden die beschriebenen Szenen nachgestellt, inspiriert vom Forumtheater nach Boal (1989) und im Anschluss daran wird szenisches Verstehen, als ein Aushandeln unterschiedlicher Deutungsmöglichkeiten in der Gruppe ausprobiert. Dies folgt den Fragen: Wie können sich im szenischen Nachstellen von Vignetten, und der anschließenden multiperspektivischen Deutung, neue Formen des Verstehens und Nicht-Verstehens bilden?

Schlagworte: Vignetten, Szenisches Verstehen, Lernen, Erfahrung
Typ: Angemeldeter Vortrag
Homepage: -
Veranstaltung: Erfahrungen verstehen - (Nicht-)Verstehen erfahren. Internationales Symposium zu Potenzial und Grenzen der Innsbrucker Vignetten- und Anekdotenforschung in der Annäherung an das Phänomen Verstehen (Innsbruck)
Datum: 30.08.2019

Zuordnung

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Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
 
Arbeitsbereich Allgemeine Erziehungswissenschaft und diversitätsbewusste Bildung
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Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
 
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Kategorisierung

Sachgebiete
  • 603112 - Phänomenologie
  • 503001 - Allgemeine Pädagogik
  • 503006 - Bildungsforschung
  • 503032 - Lehr- und Lernforschung
  • 503025 - Schulpädagogik
  • 504021 - Migrationsforschung
  • 506006 - Friedensforschung
Forschungscluster
  • Bildungsforschung
Vortragsfokus
  • Science to Science (Qualitätsindikator: I)
TeilnehmerInnenkreis
  • Überwiegend international
Publiziert?
  • Nein
Arbeitsgruppen
  • Vignettenforschung Brixen-Innsbruck-Klagenfurt

Kooperationen

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