120.583 (19W) Was können Mad Studies für Sozial- und Inklusionspädagogik bedeuten?

Wintersemester 2019/20

Anmeldefrist abgelaufen.

Erster Termin der LV
11.10.2019 09:00 - 17:00 , HS 9
... keine weiteren Termine bekannt

Überblick

Lehrende/r
LV-Titel englisch
What can Mad Studies bring to Social and Inclusion Education?
LV-Art
Seminar (prüfungsimmanente LV )
Semesterstunde/n
2.0
ECTS-Anrechungspunkte
4.0
Anmeldungen
9 (35 max.)
Organisationseinheit
Unterrichtssprache
Deutsch
LV-Beginn
11.10.2019
eLearning
zum Moodle-Kurs

LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Durch das Seminar verstehen die Teilnehmer*innen unterschiedliche Ansätze von Mad Studies: die Kritik (sozial)psychiatrischer Zusammenhänge, die Suche nach empowernden Selbstverständnissen und die Gestaltung alternativer Bezugs- und Unterstützungsstrukturen. Sie bringen diese zusammen mit den Feldern der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik und Inklusion und können dies anwenden auf die Reflektion der eigenen Arbeit in den Bereichen. Gleichzeitig erlernen die Teilnehmer*innen differenziertes und wertschätzendes Lesen und Diskutieren von unterschiedlichen Wissensformen (theoretische Texte, aktivistische Forderungen und eigene Erfahrungen).

Lehrmethodik

In dem Seminar nähern sich die Teilnehmer*innen diesen Themen über Gruppenarbeiten, Schreibübungen und Reflektionspapiere an. Dabei setzen die Teilnehmer*innen bereits Gelerntes und eigene Erfahrungen in Dialog mit Arbeiten aus den Mad Studies, Psychiatriekritik, Antipsychiatrie und Statt Psychiatrie.

Inhalt/e

Psychiatrische Verständnisse, die einige Menschen und Verhalten als Norm definieren und andere von der Norm verRücken, werden meist als natürlich und gegeben verhandelt. Arbeiten aus Mad Studies, Psychiatriekritik und Antipsychiatrie zeigen, dass dies keineswegs unangefochtene und einzige Wirklichkeiten sind, sondern machtvolle Verständnisse/Konstrukte, die wir in unterschiedlichen Kontexten gesellschaftlich erlernen. Damit zusammenhängend entwickeln sich in diesem Forschungsfeld widerständige und empowernde Selbstverständnisse und alternative Formen der gegenseitigen Bezugnahme und Unterstützung in Krisen, als auch eine kritische Auseinandersetzung mit psychiatrisch-psychologischen Verständnissen und Strukturen.

Mit den Psychiatriereformen der 70er, 80er und 90er Jahre haben sich institutionell-psychiatrische Strukturen in zunehmend sozialpsychiatrische (ambulante und gemeindepsychiatrische) Netzwerke verändert und sind zu einem wichtigen Gegenstand von Sozialer Arbeit und sozialpädagogischen Arbeitsfeldern geworden. Auch darüber hinaus finden sich psychiatrisch-psychologische Verständnisse in außerinstitutionellen und sogar alltäglichen und alltagssprachlichen Verhandlungen. In dem relativ neuen Forschungsfeld der Mad Studies, welche sich primär aus psychiatriebetroffenen und verRückten Bewegungen formten, werden diese Veränderungen teilweise kritisch betrachtet. Einerseits gingen durch die Reformen jahrelange, oder gar lebenslange Institutionalisierung und direkte körperliche Gewalt über Fixierungen und Elektroschock›therapien‹ zurück. Andererseits wird die mit den Reformen zusammenhängende Einführung sozialpsychiatrischer Netze - und damit zusammenhängende ambulante, oder aufsuchende Hilfe und Zunahme von Medikamentalisierung - auch als Ausdehnung psychiatrisch-psychologischer Kontrolle und Einflussbereiche kritisiert.

Literatur

u.A.:

Boger, Mai-Anh (2015): Das Trilemma der Depathologisierung. In: Schmechel, Cora, Dion, Fabian, Dudek, Kevin, Roßmöller, Mäks* (Hrsg): Gegendiagnosen: Beiträge zur radikalen Kritik an Psychiatrie und Psychologie (S. 268-288). edition assemblage.

Oppenländer, Lio 2015: Verzweifeln in der dritten Person. Depression als Psychopathologisierung und internalisierte Diskriminierung interdepenDenken. In: AK ForschungsHandeln (Hg): InterdepenDenken! wie positionierung und intersektionalität forschend gestalten? W_orten & Meer. S. 27-48.


Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. (2012): Tagungsband: Auf der Suche nach dem Rosengarten. Echte Alternativen zur Psychiatrie umsetzen. (Auszüge).

Lavant, Christine (2016[1948]): Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus. Wallstein Verlag.

LeFrançois, Brenda A.; Beresford, Peter; Russo, Jasna (Hrs.)(2016): Mad Studies: Intersections with Disability Studies, Social Work, and ‘Mental Health’. https://commedesfous.com/mad-studies-intersections-with-disability-studies-social-work-and-mental-health/

Prüfungsinformationen

Prüfungsmethode/n

Prüfungsimmanente LV. Die Überprüfung der Lernergebisse geschieht über: 1) Zwei 1-2seitige Reflektionspapiere zu den gelesenen Texten 2) Aktive Teilnahme an den Seminarterminen 3) Gruppenprojekte, welche die Seminarinhalte, lokalspezifische Auseinandersetzungen mit den Themen des Seminars und das Feld der Sozialen Arbeit und Inklusionspädagogik miteinander verbinden.

Prüfungsinhalt/e

Inhalteentsprechen den Themenbereichen der LV.

Beurteilungskriterien/-maßstäbe

Beurteilt werden die unter Prüfungsmethoden erläuterten Beteiligungen anhand der intendierten Lernergebnisse: Die Reflektionspapiere, aktive Teilnahme im Seminar und Gruppenarbeiten zeigen eine differenzierte und wertschätzende Auseinandersetzung mit der Lektüre, miteinander und mit lokalen Auseinandersetzungen mit den Themen. Zudem werden die Literatur und lokalen Projekte selbst/reflektiert verbunden mit eigenen Erfahrungen und dem Feld der Sozial- und Inklusionspädagogik.

Beurteilungsschema

Note/Grade Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Masterstudium Sozial- und Integrationspädagogik (SKZ: 846, Version: 09W.3)
    • Fach: Pflichtfächer (Pflichtfach)
      • Modul: Handlungsfelder und Handlungskompetenzen der Sozial- und Integrationspädagogik
        • Gesundheit, Integration und Inklusion ( 2.0h KU, SE / 4.0 ECTS)
          • 120.583 Was können Mad Studies für Sozial- und Inklusionspädagogik bedeuten? (2.0h SE / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Diese Lehrveranstaltung ist keiner Kette zugeordnet