210.546 (19W) Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte

Wintersemester 2019/20

Anmeldefrist abgelaufen.

Erster Termin der LV
03.10.2019 14:00 - 16:00 , Z.1.08
Nächster Termin:
09.01.2020 13:00 - 19:00 , Z.1.08

Überblick

Lehrende/r
LV-Titel englisch
Migration, Enemy Image and Cultural Conflict
LV-Art
Proseminar (prüfungsimmanente LV )
Semesterstunde/n
2.0
ECTS-Anrechungspunkte
4.0
Anmeldungen
32 (30 max.)
Organisationseinheit
Unterrichtssprache
Deutsch
mögliche Sprache/n der Leistungserbringung
Deutsch , Englisch , Französisch
LV-Beginn
03.10.2019
eLearning
zum Moodle-Kurs
Seniorstudium Liberale
Ja

LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Erarbeitung eines differenzierten und kritisch-reflexiven, mithin: philosophischen Zugangs zu den Themenkreisen Migration,Feindbilder,Integration, Ex-und Inklusion, kulturelle Identitäten sowie dem Verhältnis von Politik und Ethik/Moral, insbesondere unter den Auspizien des Konfligierens moralisch-ethischer Konzepte, aus philosophischer Perspektive und in ideengeschichtlicher Dimension; Einführung in eine Reihe zentraler Themen Politischer Philosophie und Ideologiekritik; methodisch-systematische Erschließung der relevanten Fragestellungen anhand konkreter Texte, insbesondere mittels philologisch-kritischer, begriffskritischer und begriffsgeschichtlicher Verfahren. 

Lehrmethodik

Einführender Vortrag des LV-Leiters, Referate der LV-TeilnehmerInnen, Diskussion, gemeinsame Lektüren, ggf. gemeinsame Film- und sonstige Medienanalysen.

Inhalt/e

Migrationsbewegungen sind Teil der Menschheitsgeschichte. Auf der Ebene von Individuen und kleinen Gruppen vollziehen sie sich ohnedies permanent. Begeben sich größere Gruppen von Menschen auf Wanderschaft, geht dies häufig auf Ressourcenknappheit und/oder bewaffnete Konflikte in den Gebieten zurück, von denen die Wanderbewegungen ausgehen. Die Interaktion größerer Gruppen von Migrantinnen und Migranten mit den Angehörigen von in den Zielregionen ansässigen Bevölkerungen verläuft historisch gesehen meist konflikthaft, was zum einen auf Fragen der Ressourcenverteilung zurückgeht, andererseits in kulturellen Antagonismen gründen kann. Diese mögen durch konkrete soziale Praktiken sowie Kontroversen aufgrund divergenter  Grundhaltungen weltanschaulicher oder religiöser Art geprägt sein. Sie können aber auch durch Vorstellungen darüber entstehen, welche Grundhaltungen und Praktiken auf der jeweils „anderen“ Seite vorherrschen sowie darüber, welche Ressourcen in welchem Ausmaß an einem bestimmten Ort bzw. in einer bestimmten Gesellschaft, vorhanden sind. An dieser Stelle kommen Vorurteile ins Spiel, die harmlos sein können, zuweilen sogar positiv, wenn dem Gegenüber günstig bewertete Eigenschaften zugeschrieben werden. Häufiger sind sie vermutlich abwertend konfiguriert und münden nicht selten in Feindbildkonstrukten. In jedem Fall sind sie stereotyp und klischeehaft. Manche Autorinnen und Autoren behaupten, dies erleichtere das Sich-Zurechtfinden in Gesellschaften, deren Komplexitätsgrar als stetig steigend empfunden oder / und wahrgenommen wird. Sollte dem so sein, dann doch jedenfalls um den Preis bewusster Simplifizierung und des Verzichts auf adäquate Weltdeutungen. 

Sobald von uns und den Anderen, den Fremden, die Rede ist, und dabei an größere, mehr oder minder kohärente, homogene Gruppen gedacht wird, hat man es nicht nur mit groben Vereinfachungen, sondern auch mit sozialen Identitätsbildungen zu tun. Diese erfolgen nicht selten (auch) über Ein- und Ausgrenzungen, „asymmetrische Gegenbegriffe“ (Koselleck 1995, 211 ff.), die sich in „Freund-Feind“-Dichotomien (Schmitt 1991, insbes. 26 ff.) manifestieren und mit sehr „feindlichen Gefühlen“ (Kolnai 2007, 7–65, 100–142) aufgeladen sein mögen.

Was können Begriffe wie Integration und Inklusion in diesem Zusammenhang ganz konkret bedeuten? Welche Möglichkeiten bestehen, welche Grenzen – und für wen? Was geschieht im Fall von nicht imaginierten und nicht herbeigeredeten kulturellen Konflikten, etwa, wenn infolge "missglückter Integration" ohnehin offene Probleme innerhalb einer Gesellschaft, wie z. B. ein manifester Gendergap, verschärft werden oder verschärft zu werden scheinen? Auf welcher Grundlage sind Lösungen oder auch nur als adäquat empfundene Perspektiven für alle Beteiligten vorstellbar?

Erwartete Vorkenntnisse

Keine

Literatur

Agamben, Giorgio: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben (Frankfurt am Main 2002).

Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. Ungekürzte Taschenbuchausgabe (9. Aufl. München 2003).

Arendt, Hannah: Wir Flüchtlinge [1943]. In: Arendt, Hannah: Zur Zeit. Politische Essays. Hg. v. Marie Luise Knott. Aus dem Amerikanischen v. Eike Geisel. Aktualisierte u. erweiterteNeuausgabe (Hamburg 1999) 7 – 21.

Assmann, Aleida: Identitäten (2. Aufl. Frankfurt am Main 1999).

Bade, Klaus J. (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart (Paderborn et al. 2010).

Badinter, Elisabeth: L‘Un est l‘Autre. Des relations entre hommes et femmes (Paris 1987).

Brown, Wendy: Walled States, Waning Sovereignty (2nded. Brooklyn, NY 2017).

Charim, Isolde: Ich und die anderen (Wien 2017).

Donhauser, Gerhard: Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA (Wien 2015).

Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen (Wien 2018).

Hanlon, Bernadette/Vicino, Thomas J.: Global Migration: The Basics (New York/London 2014).

Hetzel, Andreas (Hg.): Alterität und Anerkennung (Baden-Baden 2011).

Kolnai, Aurel: Ekel, Hochmut, Haß. Zur Phänomenologie feindlicher Gefühle. Mit einem Nachwort von Axel Honneth (Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007). 

Koselleck, Reinhart: Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe. In: Koselleck, Reinhart, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten (= stw 757, 3. Aufl. Frankfurt am Main 1995) 211 – 259.

Kristeva, Julia, Fremde sind wir uns selbst (5. Aufl. Frankfurt am Main 1995).

Lehmann, Sandra: Hass oder der Impetus der Vernichtung. In: Liebsch, Burkhard/Hetzel, Andreas/Sepp, Hans Rainer (Hg.): Profile negativistischer Sozialphilosophie. Ein Kompendium. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Sonderband 32 (2011) 95–110.

Lévinas, Emmanuel: Die Zeit und der Andere. Aus dem Französischen v. Ludwig Wenzler (Hamburg 1984). 

Moller Okin, Susan: Konflikte zwischen Grundrechten. Frauenrechte und die Probleme religilöser und kultureller Unterschiede. In: Gosepath, Stefan/Lohmann, Georg (Hg), Philosophie der Menschenrechte (Frankfurt am Main 1998) 310 – 342.

Müller, Doreen: Flucht und Asyl in europäischen Migrationsregimen (Göttingen 2010). 

Müller-Funk, Wolfgang: Theorien des Fremden (2. Aufl. Tübingen et al. 2016). 

Nancy, Jean-Luc: Der Eindringling. Das fremde Herz. Aus d. Französischen übers. v. Alexander Garcia Düttmann (Berlin 2000). 

Reisigl, Martin: Feindbild, in: Ueding, Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 10: Nachträge A–Z (Darmstadt 2012) 291.

Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien (3. Aufl. Berlin 1991).

Vogel, Elisabeth (Hg.): Zwischen Ausgrenzung und Hybridisierung (Würzburg 2003).

Waldenfels, Bernhard: Topographie des Fremden. Studien zur Phänomenologie des Fremden 1 (2. Aufl. Frankfurt am Main 1998). 

Zehetgruber, Christoph: Islamisches Strafrecht versus europäische Werteordnung. Ein Rechtsvergleich (Wien 2010).

Prüfungsinformationen

Prüfungsmethode/n

Referate, Diskussionsteilnahme, ggf. Analyse von Texten, Bildern oder Filmausschnitten; Abschlussarbeit (Richtwert: ca. 10 Seiten).

Prüfungsinhalt/e

Themen der LV, die jeweils von den TeilnehmerInnen nach Rücksprache mit dem LV-Leiter für Referate und Abschlussarbeiten ausgewählt werden.

Beurteilungskriterien/-maßstäbe

Eine eigenständige, reflektierte Beschäftigung mit den Themen der LV und insbesondere mit dem für die Abschlussarbeit und/oder das Referat gewählten Spezialthema soll erkennbar sein. Wichtig, insbesondere für die Abschlussarbeit, sind kohärente und konsistente Argumentation, Verwendung von themenrelevanter Literatur und Bezugnahmen auf diese (Zitierweise nach Wahl, doch sollte das gewählte Modell konsequent beibehalten werden). Ansonsten ist für die Beurteilung vor allem engagierte Beteiligung an Diskussionen und die eigenständige Beschäftigung mit Texten, die im Rahmen der LV besprochen werden, von großer Bedeutung.

Beurteilungsschema

Note/Grade Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Besonderer Studienbereich Besonderer Studienbereich Friedensstudien (SKZ: 900, Version: 05S)
    • Fach: Erweiterungsbereich (Freifach)
      • Weitere anrechnungsfähige LVs aus anderen Studienplänen ( 0.0h / 0.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 16W.1)
    • Fach: Praktische Philosophie (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 36.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5., 6. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 10W.2)
    • Fach: Praktische Philosophie (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie ( 0.0h XX / 36.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)
  • Masterstudium Philosophie (SKZ: 941, Version: 10W.1)
    • Fach: Praktische Philosophie und ihre Geschichte (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie und ihre Geschichte ( 0.0h XX / 24.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Philosophie (Version: 16W.1)
    • Fach: Philosophie (Pflichtfach)
      • LV aus dem Fach Praktische Philosophie ( 0.0h VO,UE,PS / 4.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Ethik (Version: 16W.1)
    • Fach: Ethisches Propädeutikum (Pflichtfach)
      • Ethisches Propädeutikum ( 0.0h VO / 4.0 ECTS)
        • 210.546 Migration, Feindbilder und kulturelle Konflikte (2.0h PS / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Diese Lehrveranstaltung ist keiner Kette zugeordnet