816.023 (20W) Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten

Wintersemester 2020/21

Anmeldefrist abgelaufen.

Erster Termin der LV
06.10.2020 15:00 - 17:30 , M.0.22 On Campus
Nächster Termin:
03.11.2020 15:00 - 17:30 , M.0.22 On Campus

Überblick

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Präsenz-Lehreveranstaltungen und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein.

Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter: https://www.aau.at/corona.
Lehrende/r
LV-Titel englisch
Knowledge and Democracy: Between expert judgment and alternative facts
LV-Art
Seminar (prüfungsimmanente LV )
LV-Modell
Präsenzlehrveranstaltung (Online-Option )
Semesterstunde/n
2.0
ECTS-Anrechnungspunkte
4.0
Anmeldungen
4 (20 max.)
Organisationseinheit
Unterrichtssprache
Deutsch
LV-Beginn
06.10.2020
eLearning
zum Moodle-Kurs

Zeit und Ort

Beachten Sie bitte, dass sich aufgrund von COVID-19-Maßnahmen die derzeit angezeigten Termine noch ändern können.
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LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Das Ziel der Lehrveranstaltung ist es, ein grundlegendes Verständnis über das Wechselverhältnis von Wissen, Wissenschaft und Demokratie zu vermitteln. Die Studierenden erhalten einen Einblick in zentrale Konzepte und Theorien der Wissenschafts- und Technikforschung (Science & Technology Studies) und der Politikanalyse (Public Policy Analysis) und lernen diese auf konkrete Fälle der Wissenschafts-Politik-Interaktion in modernen Demokratien empirisch anzuwenden. Die Studierenden sind am Ende der LV in der Lage, den verhandelten Charakter von Expertise zu erkennen und die Rolle von Wissen und Expertise in Politik und Gesellschaft kritisch zu bewerten. Die Studierenden können Chancen und Herausforderungen für die Demokratie durch neue Wissenstechniken und -institutionen sowie aktuelle Entwicklungen reflektiert bewerten.

Lehrmethodik

Inputs der LV-Leiterin; gemeinsame Diskussion von grundlegenden Texten und aktuellen Beispielen; Erarbeitung, Präsentation und Diskussion von selbstständig recherchierten Fallstudien 

Inhalt/e

In modernen Gesellschaften sind Wissen, Wissenschaft und Demokratie aufs Engste miteinander verwoben. Ob es um weltweite Klimaziele, die Regulierung von Nanomaterialen, die Entwicklung von europäischen Bildungsstandards oder, aktuell, das Setzen von Maßnahmen zurBekämpfung des Corona-Virus geht  geht – wissenschaftliche Expertise dient als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen. Dementsprechend finden wir eine Vielzahl von Akteuren, Organisationen, Institutionen und Instrumenten, die einer ‚Verwissenschaftlichung‘ von Politik dienen.  

Das Verhältnis von Wissen und Demokratie ist jedoch nicht immer spannungsfrei, sondern gestaltet sich oft ambivalent. Wissen führt nicht automatisch zu besseren und rationaleren Entscheidungen, sondern wird oft selbst zum Gegenstand politischer und öffentlicher Auseinandersetzungen und Aushandlungen. So werden gänzlich unterschiedliche politische Positionen mittels (gegensätzlicher) Expertisen gerechtfertigt oder die Unsicherheiten im Wissen werden als Legitimation für Nichthandeln genutzt. Zudem stellt sich die Frage, ob und wie Wissen und Expertise so in die Politik einfließen können, dass es mit demokratischen Prinzipien vereinbar ist.

Als jüngeres Phänomen wird in postfaktischer Politik die Autorität von Wissenschaft und ExpertInnen gänzlich untergraben und damit einhergehend eine tiefgehende Krise der Demokratie attestiert. Zugleich konfigurieren neue technologische Entwicklungen im Bereich Big Data und künstlicher Intelligenz das Verhältnis von Wissen und Demokratie neu. So werden Hoffnungen auf rationalere und wissensbasierte Politik neu belebt durch neue Möglichkeiten der Verarbeitung von immer mehr Informationen, während gleichzeitig die Undurchsichtigkeit und ungeklärte Verantwortlichkeiten algorithmischer Entscheidungen neue Herausforderungen für die Demokratie bedeuten.

Das Seminar dient als einführende Lehrveranstaltung des Gebundenen Wahlfachs „Demokratie, Macht, Politik“ im Masterstudium „Wissenschaft, Technik & Gesellschaft“ und wird im Sommersemester durch das Seminar „Politik des Materiellen: Standards, Infrastrukturen und die (Re)Produktion von Ungleichheit“ und die Übung „Technikfolgenabschätzung“ ergänzt. Das Seminar kann jedoch von Studierenden anderer Studiengänge auch gut als eigenständige Veranstaltung absolviert werden.

Folgende Themen werden in der LV behandelt:

- Postfaktische Zeitalter und Post-Truth als Gefahr für die Demokratie?

- Verwissenschaftlichung von Politik und Politisierung von Wissenschaft

- Was ist Expertise? Rolle von Expert*innen in der Demokratie & Demokratisierung von Expertise

- Zweifel, Unsicherheit und Nichtwissen als politische Strategien

- Akteure, Organisationen und Instrumente der Politikberatung

- Die Macht von Zahlen und Statistiken

- Expertise aus dem Computer: Modelle & Algorithmen

- Wissen als Macht  in internationalen Beziehungen

- Medialisierung von Expertise

Die Themen werden mit Bezug zu aktuellen empirischen Beispielen der Wissenschafts-Politik-Interaktion in demokratischen Gesellschaften diskutiert, insbesondere im Bereich der Umweltpolitik (z.B. internationale Assessments wie das Intergovernmental Panel on Climate Change oder die Rolle von Klimawandelskeptiker*innen), Bildungspolitik (z.B. die Rolle von internationalen Vergleichen wie der PISA-Studie) und Gesundheitspolitik (aktuell die Rolle von Expert*innen in der öffentlichen und politischen Debatte um Covid19; die Rolle internationaler Organisationen wie der WHO). Bei den Beispielen ist eine  Anpassung an die Interessen und Hintergründe der Studierenden vorgesehen. 

Literatur

Wird in der ersten Einheit bekannt gegeben und in Moodle zur Verfügung gestellt

Intendierte Lernergebnisse

The aim of the course is to provide a basic understanding of the interrelation between expertise, science and democracy. Students gain insight into central concepts and theories of Science and Technology Studies and Public Policy Analysis and learn to apply them empirically to concrete cases of science-politics interactions in modern democracies. At the end of the course, students will be able to recognize the negotiated character of expertise and critically evaluate the role of knowledge and expertise in politics and society. Students are able to evaluate opportunities and challenges for democracy by new knowledge techniques and institutions as well as current developments.

Lehrmethodik

Input from the lecturer; joint discussions of basic texts and current examples; presentation and discussion of independently researched case studies

Inhalt/e

In modern societies, knowledge, science and democracy are closely interwoven. Be it global climate targets, the regulation of nanomaterials, the development of European educational standards or, currently, combatting the corona virus - scientific expertise serves as an important basis for political decisions. Accordingly, we find a large number of actors, organisations, institutions and instruments that serve to 'scientifify' politics. 

However, the relationship between knowledge and democracy is often ambivalent. Knowledge does not automatically lead to better and more rational decisions, but often becomes the subject of political and public debate and negotiation. Thus, completely different political positions are justified by means of (opposing) expert opinions or the uncertainties in knowledge are used as legitimation for non-action.

As a more recent phenomenon, postfactual or post-truth politics completely undermines the authority of science and experts and is thus attested to a profound crisis of democracy. At the same time, new technological developments in big data and artificial intelligence are reconfiguring the relationship between knowledge and democracy. Thus, hopes for more rational and knowledge-based policies are being revived by new ways of processing more and more information, while at the same time the opacity and unclarified responsibilities of algorithmic decisions pose new challenges for democracy.

The seminar serves as an introductory course of the Elective Subject "Democracy, Power, Politics" in the Master's Programme "Science, Technology & Society" and is complemented in the summer semester by the seminar "Politics of the Material: Standards, Infrastructure and the (Re)Production of Inequality" and the exercise "Technology Assessment". However, the seminar can also be completed by students of other courses of study as an independent course.

The following topics are covered in the course:

- Postfactual Era and Post-Truth as a Danger for Democracy?

- Scientificization of politics and politicization of science

- What is expertise? The role of experts in democracy & democratisation of expertise

- Doubt, uncertainty and ignorance as political strategies

- Actors, organisations and instruments of policy advice

- The power of numbers and statistics

- Expertise from the computer: models & algorithms

- Knowledge as power in international relations

- Medialization of expertise

The topics will be discussed with reference to current empirical examples of science-policy interaction in democratic societies, especially in the field of environmental policy (e.g. international assessments such as the Intergovernmental Panel on Climate Change or the role of climate change sceptics), education policy (e.g. the role of international comparisons such as the PISA study) and health policy (currently the role of experts in the public and political debate on Covid19 ; the role of international organizations such as the WHO). The examples are adapted to the interests and backgrounds of the students.

Prüfungsinformationen

Prüfungsmethode/n

  • Diskussionsbeteiligung im Seminar auf Basis der Lektüre (30%)
  • Präsentation einer Fallstudie im Seminar (20%)
  • schriftliche Ausarbeitung der Fallstudie (Seminararbeit) (50%)

Prüfungsinhalt/e

siehe Liste der LV-Themen

Prüfungsmethode/n

  • Participation in discussions in the seminar on the basis of the readings (30%)
  •  Presentation of a case study in the seminar (20%)
  •  Written seminar thesis of the case study (50%)

Beurteilungsschema

Note/Grade Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Besonderer Studienbereich Nachhaltigkeit (SKZ: 999, Version: 12W.1)
    • Fach: LV-Pool (Wahlfach)
      • Nachhaltigkeit ( 4.0h SE / 8.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
  • Masterstudium Erwachsenenbildung und berufliche Bildung (SKZ: 847, Version: 20W.1)
    • Fach: Nachhaltige Entwicklung in einer sich globalisierenden Welt (Wahlfach)
      • b8.2 Aktuelle Themen Nachhaltiger Entwicklung ( 0.0h XX / 6.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3. Semester empfohlen
  • Masterstudium Sozialpädagogik und soziale Inklusion (SKZ: 846, Version: 20W.1)
    • Fach: Nachhaltige Entwicklung in einer sich globalisierenden Welt (Wahlfach)
      • b8.2 Aktuelle Themen Nachhaltiger Entwicklung ( 0.0h XX / 6.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3. Semester empfohlen
  • Masterstudium Diversitätspädagogik in Schule und Gesellschaft (SKZ: 545, Version: 20W.1)
    • Fach: Nachhaltige Entwicklung in einer sich globalisierenden Welt (Wahlfach)
      • b8.2 Aktuelle Themen Nachhaltiger Entwicklung ( 0.0h XX / 6.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3. Semester empfohlen
  • Erweiterungscurriculum Nachhaltigkeit (Version: 15W.1)
    • Fach: Nachhaltigkeit (Pflichtfach)
      • Vertiefung Nachhaltige Entwicklung, disziplinärer Schwerpunkt ( 0.0h XX / 8.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
  • Masterstudium Science, Technology & Society Studies (SKZ: 906, Version: 16W.1)
    • Fach: Umwelt- und sozialverträgliche Technikgestaltung (Wahlfach)
      • Nachhaltige Technikgestaltung ( 0.0h SE / 4.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
  • Masterstudium Wissenschaft, Technik & Gesellschaft (SKZ: 906, Version: 19W.1)
    • Fach: Demokratie, Macht, Politik (Wahlfach)
      • 6.1 Einführung: Demokratie, Macht, Politik ( 0.0h SE / 4.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 3. Semester empfohlen
  • Erweiterungsstudium (UG §54a) Nachhaltige Entwicklung und Energie (NhEE) (ES) (SKZ: 011, Version: 20W.1)
    • Fach: Gebundenes Wahlfach 1: Vertiefung zu Nachhaltiger Entwicklung (Wahlfach)
      • 3.1 Lehrveranstaltungen aus Vertiefung zu Nachhaltiger Entwicklung ( 0.0h XX / 4.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungsstudium (UG §54a) Nachhaltige Entwicklung und Energie (NhEE) (ES) (SKZ: 011, Version: 20W.1)
    • Fach: Gebundenes Wahlfach 3: Spezialisierung in einem der Vertiefungsfächer (Wahlfach)
      • 5.1 Lehrveranstaltungen Spezialisierung in einem der Vertiefungsfächer ( 0.0h XX / 4.0 ECTS)
        • 816.023 Wissen & Demokratie: Zwischen ExpertInnenurteil und alternativen Fakten (2.0h SE / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Diese Lehrveranstaltung ist keiner Kette zugeordnet