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Titel: Bildungsforschung: Erkenntnispolitische Strategien jenseits von Zahlenknechtschaft und politischer Psychologie
Beschreibung:

Will und soll die Erarbeitung von wissenschaftlich gesichertem Wissen zu Bildungswirklichkeiten sich nicht auf eine kulturelle Form beschränken (Musolff 1997) und fragt nach ihrer sozialen Wirksamkeit, erscheinen unterschiedliche erkenntnispolitische Strategien möglich. Dass Pädagogik, Erziehungswissenschaft oder Bildungsforschung nie eine Avantgarde sozialer Entwicklungen dargestellt haben, teilen sie mit anderen (Sozial-)Wissenschaften. Denn viel mehr als im naturwissenschaftlichen Denken braucht es im menschlichen Miteinander anhaltend eine Versöhnung oder einen Abgleich zwischen dem ‚Reich der Fakten‘ mit dem ‚Raum der Bedeutungen‘ (Detel 2006). Dabei kann der Zusammenhang von (Praxis-)Wissen und Wissenschaft auf der einen Seite und Wissenschaft und Politik (oder Gesellschaft) auf der anderen Seite aber nicht auf ein schicksalhaftes Verhältnis von Wahrheit und Macht reduziert werden.
Österreich, empirisch belegt, weist besonders stark ausgeprägte Ignoranz und hohes Misstrauen gegenüber Wissenschaft auf und dies bildet keine guten Voraussetzungen für wissenschaftsinduzierte und datengestützte Weiterentwicklung von im wesentlichen tradierter Bildungspraxis und machtpolitischer Systemsteuerung. Insofern wird allein verbesserte ‚Wissenschaftskommunikation‘ hier nicht zum gewünschten Ziel führen.
Zugleich wird in einer machtbewussten, üblich gewordenen Gutachtenpolitik (Ricken 2011), die bereits fixierte und nur begrenzt öffentlich deklarierte Interessen durch stützende, legitimierende, vermeintlich neutrale Gutachten manifestiert (Weingart 2001) und die Rolle von ‚Zahlenknechten und -mägden‘ der Politik über weite Strecken die einzig finanziell dotierte Rolle von Forschung im System. Zugleich wird die methodologische Gewissenhaftigkeit von Forscherinnen und Forschern über allfällige Limitationen von wissenschaftlich gesichertem Wissen zuweilen als Mangel an wissenschaftlicher Gewissheit hingestellt und damit Daten und Befunde zusätzlich politischer Agitation ausgesetzt.
Es lassen sich im Zusammenwirken von Praxis, Politik und Wissenschaft aber auch diffizile, zuweilen subversive Strategien der Forschung erkennen, in gewisser Weise einer ‚politische Psychologie‘, ‚der‘ Politik oder ‚der‘ Praxis zu erklären zu versuchen, warum es doch auch für sie selbst besser wäre, würde man dies oder jenes tun.
Einen gänzlich anderen Weg schlägt etwa Latour (2007) vor, indem er dazu aufruft, einen argumentativen Schwenk von „matters of fact“ zu „matters of concern“ zu vollziehen, um damit in demokratischen Ausverhandlungsprozessen wieder gestaltungswirksamer zu werden, nicht als Wissenschaft selbst zum Gegenstand der Kritik zu werden und als Forscherinnen und Forscher eine relevante Position in der Ausverhandlung von gesellschaftlichen Zielen und Wegen dort hin zu erringen.

Schlagworte: Bildungsforschung, Erkenntnispolitik, Empirische Forschung, Wissenspolitik
Typ: Vortrag auf Einladung
Homepage: https://ph-ooe.at/oefeb_kongress.html
Veranstaltung: Vermessen? Zum Verhältnis von Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis (ÖFEB-Kongress 2019) (Linz)
Datum: 18.09.2019

Zuordnung

Organisation Adresse
Fakultät für Kulturwissenschaften
 
Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
 
Arbeitsbereich Erwachsenenbildung und berufliche Bildung
Universitätsstraße 65-67
9020  Klagenfurt am Wörthersee
Österreich
  -1299
http://ifeb.aau.at/ebb
zur Organisation
Universitätsstraße 65-67
AT - 9020  Klagenfurt am Wörthersee

Kategorisierung

Sachgebiete
  • 503006 - Bildungsforschung
  • 503009 - Erwachsenenbildung
Forschungscluster
  • Bildungsforschung
Vortragsfokus
  • Science to Science (Qualitätsindikator: I)
Klassifikationsraster der zugeordneten Organisationseinheiten:
TeilnehmerInnenkreis
  • Überwiegend national
Publiziert?
  • Nein
Keynote-Speaker
  • Ja
Arbeitsgruppen Keine Arbeitsgruppe ausgewählt

Kooperationen

Keine Kooperationspartner ausgewählt