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Titel: Unheimliches Zuhause - Inszenierungen der Nacht in Jöns Mellgrens "Elsa und die Nacht" und in Lemony Snickets und Jon Klassens "Dunkel"
Beschreibung:

„Heimat bedeutet die Möglichkeit des Rückzugs auf nicht-beliebige, vertraute Strukturen“, so lautet eine Art „Minimaldefinition“ des Heimatbegriffs von Elisabeth Bronfen, die sie in ihrer Einleitung zum Band "Hybride Kulturen" vornimmt, mit dem die wichtigsten Texte Homi K. Bhabhas erstmals einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht wurden. In den Theorien Homi K. Bhabhas selbst wird deutlich, dass die Sehnsucht nach einem Fluchtpunkt, der zumindest zeitweilig das Gefühl der Geborgenheit vermittelt, dem Menschen auch in Zeiten ständigen Wandels nicht genommen werden darf. Doch die Begrifflichkeit rund um das Konstrukt "Heimat" sind zurecht in Verruf geraten und postmoderne Theorien konnten deutlich machen, dass „Heimat“ ohnehin nur aus heterogenen und zudem kontingenten Inseln des Vertrauten bestehen kann. Denn gerade dort, wo alles vertraut erscheint, ist das Unerwartete und Unheimliche, manchmal auch Bedrohliche, allgegenwärtig. Das lässt sich bereits an Freuds Abhandlung über das Unheimliche nachweisen, die zu einem der wenigen theoretischen Texte über das Unheimliche in der abendländischen Kultur gehört und durch ihre konsequente Bezugnahme auf literarische Texte und kindliche Phantasien bereits deutlich macht, dass Identität, (kindliche) Ängste und die Ambivalenzen des vermeintlich Vertrauten einen engen Zusammenhang aufweisen. So verwundert es nicht, dass auch Hélène Cixous in ihrer weniger berühmt gewordenen Re-Lektüre von Freuds Text eben jene Aspekte, sowie den Neid des Psychoanalytikers auf die Schriftsteller, die ihre angstvolle Heimatsuche ein Leben lang weiter betreiben und ihr Publikum daran teilhaben lassen dürfen, ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit gerückt hat.

Was Freud bereits beschäftigte und von Bhabhas postkolonialer Theorie noch einmal wesentlich tiefer ergründet wurde, ist in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur omnipräsent. Hier finden sich unzählige Beispiele dafür, wie das vermeintlich Eigene und Vertraute, das, was narrativ wie visuell zum Inbegriff von "Heimat" werden könnte, plötzlich oder sukzessive fremd und unheimlich wird. Ob und wie dieses hin und wieder sogar bedrohliche Andere abgewehrt oder aber zum ästhetischen und inhaltlichen Bezugspunkt der Bilder und/oder des Textes wird, entscheidet darüber, ob man ein Buch über das (Wieder-)Finden der Heimat oder einen unheimlichen Text vor sich zu haben meint. In einer genauen Betrachtung der Bilderbücher Elsa und die Nacht von Jöns Mellgren und Dunkel von Lemony Snicket und Jon Klassen werden narrative wie visuelle Aspekte des "Heimlichen" und "Unheimlichen" ebenso sichtbar, wie sich ein fragiler Heimatbegriff abzuzeichnen beginnt, der konservative Elemente dieses Topos zwar berührt, jedoch das Inkommensurable als dessen paradoxem Kern verstehbar macht. In meinem Beitrag möchte ich diese sehr unterschiedlichen Inszenierungen des Vertrauten und Fremden und aller dazwischen befindlicher Kategorien an Hand ausgewählter Text- und Bildbeispiele miteinander in Beziehung setzen und die Frage nach den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten eines zeitgemäßen Heimatbegriffs stellen. 

Schlagworte: Unheimliches, Heimat, Bilderbuch, radikal Fremdes, Ästhetisches Lernen
Typ: Vortrag auf Einladung
Homepage: https://www.phst.at/schnellzugriff/aktuelles/detailinformation-zur-nachrichten/article/heimat-in-der-kinder-und-jugendliteratur-2/
Veranstaltung: Heimat in der Kinder- und Jugendliteratur - vom Alpl ins WWW (PH Steiermark, Graz)
Datum: 24.11.2018

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9020 Klagenfurt
Österreich
http://www.uni-klu.ac.at/deutschdidaktik/
zur Organisation
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AT - 9020  Klagenfurt

Kategorisierung

Sachgebiete
  • 602003 - Allgemeine Literaturwissenschaft
Forschungscluster Kein Forschungscluster ausgewählt
Vortragsfokus
  • Science to Science (Qualitätsindikator: I)
Klassifikationsraster der zugeordneten Organisationseinheiten:
TeilnehmerInnenkreis
  • Überwiegend international
Publiziert?
  • Nein
Keynote-Speaker -
Arbeitsgruppen
  • Deutschdidaktik

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