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Spinoza über den Begriff der menschlichen Lebensform
Beschreibung:

Ausgehend von der Philosophie von Baruch de Spinoza (1632-1677), befasst sich das Projekt mit der Frage, wie eine ontologisch liberale, nicht-essentialistische Konzeption der menschlichen Lebensform aussehen könnte. In der philosophischen Debatte kursieren derzeit zwei scheinbar völlig disparate Begriffe von menschlicher Lebensform. Inspiriert von der aristotelischen Naturphilosophie wurde der Begriff der Lebensform einerseits dazu ins Spiel gebracht, um sogenannte generische Aussagen über typische Eigenschaften der Mitglieder einer Spezies angemessen analysieren zu können. Bei solchen Aussagen, zu denen viele Aussagen über “den Menschen” im Singular gehören, geht es nicht darum, jene Eigenschaften zu ermitteln, die zwingend vorliegen müssen, damit wir von einem Menschen sprechen können, sondern darum, typische Aspekte des Mensch-Seins in den Blick zu nehmen. Die Aussage, dass Menschen zwei Zweibeiner sind, schließt nicht aus, dass auch jemand, dem ein Bein amputiert wurde, unter den Begriff des Menschen fällt. Als generische Aussage besagt sie nur, dass Menschen typischerweise zwei Beine haben.

Andererseits steht diesem ursprünglich naturphilosophischen Gebrauch des Begriffs der Lebensform im Singular die – durchaus alltägliche – Redeweise von Lebensformen im Plural gegenüber; im Anschluss an diese Redeweise wurde von kürzlich von jüngeren Vertretern der Frankfurter Schule ein Begriff von Lebensform geprägt, der es möglich machen soll, ganze Lebensformen aus sozialphilosophischer und ethischer Perspektive zu kritisieren. Als Lebensformen werden dabei Muster von Verhaltensweisen und Orientierungen bezeichnet, welche von den Vertretern einer Gemeinschaft geteilt und von dieser gesamthaft getragen werden. Auch diese sozialphilosophische Verwendung des Begriffs der Lebensform orientiert sich – wenn auch weniger offensichtlich – an historischen Vorbildern, wobei v.a. eine bestimmte Lesart von Hegel Pate stand.

In unserem Projekt möchten wir bewusst auf einen anderen historischen Ansatz, jenen Spinozas, zurückgreifen und diesen auf die Frage nach dem Ort und Stellenwert des Begriffs der menschlichen Lebensform hin untersuchen. Dadurch soll u.a. die Frage beantwortet werden, wie eine Konzeption der
menschlichen Lebensform aussehen kann, die sowohl den natürlichen Lebensbedingungen als auch kulturellen Faktoren menschlichen Lebens ein konstitutives Gewicht zubilligt. Dazu sollen sowohl die metaphysischen, naturphilosophischen, als auch die praktischen – sozialphilosophischen,
politiktheoretischen und ethischen – Dimensionen von Spinozas Denken mit Blick auf diese Frage analysiert und rekonstruiert werden. Dies soll zum einen eine Basis für eine ontologisch liberale Perspektive auf die Frage der menschlichen Lebensform stiften, zum anderen sollen gewisse notorisch schwierige Fragen der Spinoza-Forschung (etwa über die Rolle der Zeitlichkeit für die Konstitution
menschlicher Erfahrung oder des Begriffs von Freiheit) systematisch angegangen werden.

Schlagworte: Spinoza, Philosophical Anthropology, Life-Form, History of Early Modern Philosophy, Metaphysics of Form
Kurztitel: Spinozistische Lebensform
Zeitraum: 01.10.2016 - 30.09.2019
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MitarbeiterInnen

MitarbeiterInnen Funktion Zeitraum
Ursula Renz (intern)
  • Projektleiter/in
  • 01.10.2016 - 30.09.2019

Kategorisierung

Projekttyp Forschungsförderung (auf Antrag oder Ausschreibung)
Förderungstyp §26
Forschungstyp
  • Grundlagenforschung
Sachgebiete
  • 603113 - Philosophie
Forschungscluster Kein Forschungscluster ausgewählt
Genderrelevanz Genderrelevanz nicht ausgewählt
Projektfokus
  • Science to Science (Qualitätsindikator: n.a.)
Klassifikationsraster der zugeordneten Organisationseinheiten:
  • Für die zugeordneten Organisationseinheiten sind keine Klassifikationsraster vorhanden
Arbeitsgruppen Keine Arbeitsgruppe ausgewählt

Finanzierung

Förderprogramm
Einzelprojekt
Organisation: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Kooperationen

Keine Kooperationspartner ausgewählt